THAT‘S ENTENTAINMENT!

13.04.12, 15:02:30 von manufatum
+++ Heute entschuldigt sich: Patrick Bahners +++

Ich, Patrick Bahners, bekennender Donaldist, scheidender Fötongchef und künftiger Kulturkorrespondent der FAZ aus New York, entschuldige mich zum Abschied bei den deutschen Liedermacher-Legenden Hannes Wader, Reinhard Mey, Franz-Josef Degenhardt, Konstantin Wecker und Bernhard Lassahn: für meinen heutigen Hymnus auf einen halbholländischen Bänkelsänger namens Funny van Dannen. Vierspaltig preise ich van Dannen - kulturtopographisch irgendwo zwischen von Sinnen und von der Lippe siedelnd - als "Matthias Claudius für unsere Zeit" an. Mental schon auf dem Höhenflug von Mainhattan nach Manhattan - mein Geburtsort Paderborn stabreimt sich leider auf nix in New York -, wollte ich den Lesern des FAZ-Fötongs unbedingt noch beweisen, dass chronischer Donaldismus kein infantiles Hobby, sondern ein schwerwiegender Dachschaden ist. Er führt nämlich dazu, die Welt in toto und die Welt der Kultur insbesondere mit Entenhausener Maßstäben zu vermessen, eine bodennahe Wiesenhof-Perspektive, die ich wohl meiner Paderborner Prägung (ah, wie geil stabt das denn!) verdanke. Für mich reicht es schon, wenn ein Migrant mit lustigem Künstlernamen - FVD heißt eigentlich Franz-Josef (!) Hagmanns-Dajka - auf der Bühne drei Gitarrenakkorde schrummt und sich beispielsweise zum Thema "Ergo Versicherungsgruppe" Zeilen wie "die sind genauso fertig wie du" oder "die nehmen nicht jeden" einfallen lässt: Schon steiget der weiße Nebel wunderbar aus meinem geistigen Kleingarten, ich assoziiere spontan Claudius, Kant und Brecht, entdecke gar "kühne und schlagende Gedanken, die man einem Bundespräsidenten wünschte". Mit diesem Urerlebnis abendländischer Hochkultur im Entenhinterkopf flattere ich nun also übern großen Teich ins Land der trivialen Schwanengesänge. Und wenn tief fliegende Singer-Songwriter wie Bob Dylan, Tom Waits oder Randy Newman mich einst fragen sollten, ob die deutsche Sprache denn seit Matthias Claudius noch ein paar Liedermacher zu halbwegs brauchbaren Gesängen beflügelt habe, werde ich ihnen meinen Artikel über Funny van Dannen ins Amerikanische dolmetschen, in dem - und dafür entschuldige ich mich hiermit - aus Platzgründen leider von Wader, Mey, Degenhardt, Wecker und Lassahn mit keinem Wort die Rede sein konnte. Vier Spalten und ein Funny-Foto (Claudius 2 in Concert, Wasser aus Weinglas nippend) reichen aber locker aus, um mich hässliches Frankfurter Schreib-Entlein für den Korrespondentenjob in der Welthauptstadt des Ententainment zu qualifizieren. Wer weiß, vielleicht mausere ich mich dort ja doch noch zum Black Swan der Musikkritik. Bis dahin: Grübel-grübel, schrumm-schrumm, schnatter-schnatter!

TABULIGA

12.04.12, 12:37:25 von manufatum
+++ Heute entschuldigt sich: Maybrit Illner +++

Ich, Maybrit Illner, Berliner Sprechdurchfallerhitzerin des ZDF, entschuldige mich jetzt schon mal präventiv bei Ihnen, lieber Günter Grass, und zwar dafür, dass ich es leider nicht geschafft habe, in meine für heute abend angesetzte Logorrhö-Runde zum Thema "Ist Kritik an Israel wirklich ein Tabu?" auch noch Christian Wulff einzuladen. Als Analog-Täter und -Opfer in Sachen "Letzte Tinte" hätte unser Ex-Bundespräsident bestimmt ein tabubrechendes Lied davon singen können, was passiert, wenn ein Deutschlandrepräsentant ohne Macht außer der des Wortes nach langem Schweigen schrecklich ungereimtes Zeug verbreitet und dann nicht sofort zurücktritt. Stattdessen laufen bei mir heute wieder die Maulhelden der Schwafel-SS auf, angeführt von den verkrachten Frontschweinen der Tabuliga, dem arabophilen Talkshowlegionär Scholl-Latour und - Kamelle, der Jud kommt! - dem Egokokser Friedmann. Gut reingepasst hätte meinetwegen auch noch Erich Mielkes Lieblingslyriker Wolf Biermann. Immerhin durfte der ja irgendwann nicht mehr aus Deutschland in die DDR einreisen, genau wie Sie, Grass, jetzt dem jüdisch besetzten Sektor Palästinas fernbleiben müssen, obwohl Sie sich den Menschen dort unten doch unkündbar verbunden fühlen. Biermann seinerseits fühlt sich als wortmächtig reimender Politpoet sprachlich und intellektuell überqualifiziert, um im Duett mit dem Stakkatostammler Friedmann über einen tintenklecksenden Semi-Antisemiten mit (liter)arischer SS-Vergangenheit den Stab zu brechen. So bleibt mir außer einer Entschuldigung nur das Versprechen, dass ich heute abend meinen letzten Speichel aktivieren werde, um den Schaum im Mundwinkel von Scholl und Friedmann zu bremsen. Schließlich haben wir mit Ihrem rhetorisch missglückten Versuch der Iran-Anreicherung noch lange nicht die Talkshow-Halbwertszeit erreicht. Erst wenn alle sich den Wulff geredet haben, wird über das, was nicht gesagt werden musste, Grass wachsen. A propos Tabu: In meiner Sendung breche ich übrigens endlich das Schweigen darüber, dass der Nobelpreis von der skandinavischen Sprengstoffindustrie gesponsert wird!

http://manufatum.blog.de/2012/04/12/tabuliga-13493285/

PULLISCHNULLI

06.04.12, 13:19:33 von manufatum
+++ Heute entschuldigt sich: Jan Fleischhauer +++

Ich, Jan Fleischhauer, verschmockter Salon-Blogger und Rechtshaber bei Spiegel Online, möchte mich für mein neues SPON-Foto enschuldigen. Während das bisherige Konterfei mich wie beabsichtigt zur Kenntlichkeit entstellte, nämlich als krähenfüßigen Vintage-Fatzke mit tiefer gelegter Götz-Alsmann-Tolle, Klugscheißer-Randlosbrille und New Kent-Kragen, grinse ich jetzt aus dem SPON-Bullauge als weichgezeichneter, lippenloser Pulli-Pappi, dessen auffälligstes Merkmal die Retro-Ray-Ban-Streifen an meiner neuerdings schwarzen Hornbrille sind. Was die bedeuten mögen? Gedankenstriche mit nichts dazwischen? Nein!! Das trägt man heute als shitstormerprobter Alstersegler, der es sich erlauben kann, pauschal alle Italiener als großmäulige Schiffeversenker und Fahrerflüchtlinge zu rassifizieren und - einen parfümierten Atemzug später - Günter Grass in Sachen Antisemitismus Moses zu lehren. Aber unter uns Opfern des bundesdeutschen Banalsozialismus zugegeben: Eigentlich wollte ich optisch ja ganz woanders hin. Meine Fotografin Dagmar Morath hatte ich vor dem Shooting genauestens gebrieft auf "Mathias Döpfner after hours". Hohe Stirn, Rechtsscheitel und Linksallergie bring ich ja von Hause aus mit. Doch im aktuellen Strickschluffi-Styling sehe ich meinem gefühlt doppelt so großen und zehnmal so coolen Vorbild Döpfner weniger denn je ähnlich. Ich bin entsetzt von mir selbst! Da hat die Morath aber sowas von versagt! Einen Pullischnulli hat sie aus mir gemacht. So einen raucht Günter Grass doch zum Frühstück in der kalten Pfeife weg, ohne einmal auszuspucken. So einer wäre auf der Costa Concordia als Erster im Rettungsboot gesessen, hätte aber die Kinder nochmal zurück geschickt, dem Papi das vergessene iPhone aus der Kabine zu holen. Mit diesem Scheißbild von mir müssen Sie, liebe Leser, leider noch eine Weile leben, bis ich ein Shooting bei diesem genialen Fotografen kriege, der meinen SPIEGEL-Kollegen Matussek immer so irre aussehen lässt wie Dieter Nuhr auf Krokodil.

JAN FLEISCHHAUER VORHER:
http://www.deutschlandwoche.de/wp-content/uploads/2011/03/fleischhauer.jpg

JAN FLEISCHHAUER NACHHER:
http://www.spiegel.de/thema/spon_fleischhauer/

VOLL GRASS

04.04.12, 12:05:02 von manufatum
+++ Heute entschuldigt sich: die Pressefreiheit +++

Ich, die Pressefreiheit, entschuldige mich heute bei den Lesern aller Qualitätszeitungen. Obwohl oder gerade weil bereits von allen alles gesagt und geschrieben war zum Thema drohender Atomkrieg zwischen Israel und Iran, musste ich jetzt noch zwei alte pawlowsche Krampfhunde von der Leine und wieder mal aufeinander los lassen: den spätpensionierten Oberlehrer Günter Grass, 84, und den ewigen Judenfeindewitterer Henryk M. Broder. Literaturnobelpreisträger Grass ist gegen deutsche U-Bootlieferungen an Juden, liefert selber aber mörderisch schlechte Leitartikel-Lyrik in alle Welt. Nazifresser Broder hetzt in der „Welt“ gegen den ehemaligen SS-Pimpf und in flagranti überführten Judenfeind Grass, macht sich auf dessen tintentröpfelnde Inkontinenz aber auch nur wieder seinen altbekannten Reim: Und willst du nicht mein Broder sein, dann schreib ich dir den Schädel ein! Mir als Pressefreiheit ist das prostatische Greisengeseiche natürlich irrsinnig peinlich! Am liebsten hätte ich mir ein paar Tage Osterurlaub genommen, damit meine Lieblingskinder „Süddeutsche“, „New York Times“ und „La Repubblica“ die unverlangt eingesandte U-Boot-Ballade des sturzbetroffenen Großdichters Grass diskret im Papierkorb versenken können. Aber alle Flüge nach Damaskus, Istanbul und Budapest waren ausgebucht - und nach Tel Aviv darf ich eh nur rein mit einem gelben B im Pass, das mich als Gesinnungsbroder ausweist. Also musste ich in Deutschland bleiben und Grassens letzter und Broders vorletzter Tinte freien Lauf lassen. Dafür entschuldige ich mich, kann aber den geschätzten Qualitätslesern leider nicht versprechen, dass es nie wieder vorkommt. Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem ich kroch!

KLAULOAD-PARTEI

02.04.12, 14:41:09 von manufatum
+++ Heute entschuldigen sich: Die Piraten +++

Wir, die Partei der Piraten, entschuldigen uns heute beim Urheber und Wutbürger Sven Regener. Der schreckliche Sven fühlt sich von der Internetgemeinde ins Gesicht gepinkelt und ist stinksauer, weil Klauloader die von Künstlern und Kreativen geschaffenen Werte im Netz dreist sozialisieren und dafür von uns Piraten auch noch politisch protegiert werden. Gescheiter Rock'n'Roll, meinst du, Sven, sei unter solchen Bedingungen nicht mehr möglich, nur noch Straßenmusik, von der kein anständiger Künstler leben könne? Einspruch: In Berlin schon, in Hamburg oder München vielleicht nur, wenn man Gemamillionär ist wie die Rock-Urheber Udo, Ralph oder du, Sven. Und dass dir Straßenmusiker eher fremd sind, verstehen wir nur zu gut, denn diese Live-Klauer haben ja zu keiner Zeit Gema-Beiträge gezahlt. Außerdem verdienen die ihre Mark eher mit "El Condor Pasa" oder "Papa Was A Rolling Stone" als mit Hits von "Element of Crime". A propos D-Mark, die du in deiner Wutrede immer noch als rockmusikalische Leitwährung anführst: Das antike Geschäftsmodell des Rock'n'Roll funktioniert auch deshalb im Internet nicht mehr so gut, weil die meisten Rock'n'Roller überraschenderweise noch keine 70 Jahre tot sind, obwohl sich ihre Musik längst so anhört. Und Klassik gibt's doch für umme, oder? Spässle! Jetzt im Ernst: Echte Revolutionen führen immer zur Umwertung aller Werte. Als nach 1789 ihre adligen Wertabschöpfer alle geköpft waren, heuerten herrenlose Hofköche in bürgerlichen Restaurants an und erfanden die Haute Cuisine. Brotlose Hofmusiker spielten in Staatskapellen und auf der Straße weiter und erfanden, wenn auch sehr viel später, den Rock'n'Roll. Die weltweite Internetrevolution nach 1989 hat dem politischen und kulturellen Establishment bisher die Guillotine erspart. Hurra, ihr lebt alle noch! Doch wir, die Jakobinerpartei der Piraten, sind jetzt die neue Revolutionsgarde. Wir halten das digitale Fallbeil für das Ancien Regime und seine Kulturbeutelschneider bereit. Wer von euch den Kopf bei uns in die Cloud reinsteckt und nach Alimenten schreit, der landet, zack!, im Korb. Du, Sven, fühlst dich von uns nur ins Gesicht gepinkelt? Na, dann nick mal! Trotzdem sorry, dass es ausgerechnet dich erwischt hat, bist ja eigentlich 'n cooler Typ. Aber wir leben in wilden Zeiten. Piraten rocken das Netz und die Weltmeere. Da rollen schon mal Köpfe!

www.manufatum.tv

SCHADE?

29.03.12, 16:18:37 von manufatum
+++ Heute entschuldigt sich: Harald Schmidt +++

Ich, Harald Schmidt, erster und immer noch einziger deutscher Latenight-Entertainer von Format, bitte Publikum, Presse und Programmchefs um Entschuldigung für meinen endgültig gescheiterten Versuch, Ironie im Free TV mehrheitsfähig zu machen. Nach 17 Jahren Nachtschicht auf diversen Palliativstationen für allgemeine Mediendemenz ist deshalb am 3. Mai 2012 Sendeschluss. Die Harald-Schmidt-Ironie-Therapie-Show wird endgültig eingestellt. Schade? Ach wo! Das private Unterschichtenfernsehen mag sich meine teueren Ironiesitzungen eben nicht mehr leisten, Lachkomapatienten werden künftig von Billigunterhaltern aus Niederkalau, Furzkissingen und Analusien betreut. Und ältere Pflegefälle in den öffentlich-rechtlichen Anstalten merken den Qualitätsunterschied sowieso schon lange nicht mehr. Denn auch dort wüten hirnerweichende Spaßkrankheiten: Schlappmaul- und Kalauerseuche, karnevalistischer Lachzwang, geriatrischer Kabarettismus, priolatrisches Brüllfieber, Morbus Odelgruber, pelzige Amöben-Nuhr, nur um einige zu nennen. Aber auch ich war am Ende nicht mehr immun gegen das lähmende Sumpffieber des Dumpfbackenfernsehens. Ich ließ mich einfach treiben auf der Welle meines Leck-mich-am-Arsch-Gefühls. Sogar auf Rademanns Traumschiff habe ich angeheuert, aus purer Langeweile, weil weit und breit kein satisfaktionsfähiger Mitbewerber auftrat und spätnachts meinen Durchhaltewitz anstachelte. Nur Wolfgang Rademann erwies sich als noch größerer Zyniker als ich selbst. Mit dem altberliner Schenkelklopfer kann man sich seekrank lachen über die lukrative Massenverdummungswaffe Deutsches Fernsehen, in der „Wer wird Millionär?“ als Bildungsprogramm, Markus Lanz als Gottschalk-Ersatz und zwei Tatortkommissare aus Münster als Komiker durchgehen. Wer soll gegen den flächendeckenden Pointen-Dünnpfiff bitte noch anstinken? Ich - auf Sat.1?? Sorry, liebe Freunde der gepflegten Zote: Ohne mich! Reißt euere Ferkel- und Merkelwitze ab jetzt alleine!

www.manufatum.tv

TWO TO TOULOUSE

22.03.12, 15:27:27 von manufatum
+++ Heute entschuldigt sich: Nicolas Sarkozy +++

Ich, Nicolas Sarkozy, ums politische Überleben kämpfender Staatspräsident der Französischen Republik, entschuldige mich heute - auf unserem gemeinsamen Wahlkampfabstecher nach Toulouse - bei Ihnen, Monsieur François Hollande, meinem sozialistischen Mitbewerber. Und zwar dafür, dass ich angesichts meiner sicher geglaubten Niederlage den rettenden Strohhalm namens Mohammed Merah ergreifen muss. Attentate, Kriege und Naturkatastrophen waren schon immer die besten Wahlhelfer für Politiker, die ansonsten ihren gesamten Kredit beim Volk verspielt hatten. Dass wissen Sie, Monsieur Hollande, spätestens seitdem Ihr deutscher Genosse Gerhard Schröder auf Wellen des Populismus - ich sage nur: Oderflut und Irak - rotzfrech ins Kanzleramt zurück surfte. Als Amtsinhaber mit passendem Migrationshintergrund - sephardische Juden, wenn auch horribile dictu aus Griechenland - steht mir nun zu, die traurigen Ereignisse von Toulouse ins äußerst rechte Licht zu rücken. Nein, ich persönlich werde dies natürlich nicht tun, das wäre allzu vordergründig und geschmacklos. Aber zum Glück kontrollieren gute Freunde von mir - Bauunternehmer und Rüstungsindustrielle - Frankreichs patriotische Massenmedien. Die werden schon den richtigen Dreh finden, um den Serienmörder Mohammed Merah, den mir der Prophet Machiavelli in Allahs Namen geschickt hat, zur adrenalingeladenen Schießbudenfigur meines Wahlkampfteams zu machen. Recht und Ordnung sind schließlich mein Metier und nicht das von euch Linken. Während euere Parteibonzen sich von schwarzen Migrantinnen den Verstand wegblasen lassen, integriere ich gutnachbarschaftlich eine oral begabte Italienerin und befreie nebenbei unser Land von diebischen Zigeunern und judenmordenden Islamisten. Das hat das französische Volk heute endlich begriffen, spät, aber nicht zu spät. Es wird mir am 22. April dafür danken. Pardon, Monsieur Hollande, dumm gelaufen - für Sie!

FREIHEIT IST GAUCKBAR

19.03.12, 09:47:54 von manufatum
+++ Heute entschuldigt sich schon wieder: Angela Merkel +++

Ich, Angela Merkel, Kanzlerin weiß Gott nicht aller Deutschen, muss mich nun schon wieder entschuldigen. Nein, nicht dafür, dass ich zweimal versucht habe, dich, Jochen, als Bundespräsident zu verhindern, weil du mir nicht in meine kleinstkarierten Machtvorstellungen passt. Solches Fehlverhalten ist absolut entschuldbarer politischer Abusus, so machen's alle. Auch entschuldige ich mich bei dir nicht dafür, dass ich nach deinem fulminanten Wahlergebnis meine chronische Herz- und Hirnverstopfung durch die grandiose Sprachschöpfung "gelingbar" zum Ausdruck brachte: Die Wiedervereinigung ist gelingbar gewesen und folglich auch gelungen, womit ich irgendwie sagbar machen wollte, dass Freiheit auch ohne Gauck meinbar und machbar ist, damals wie heute. Entschuldigen muss ich mich aber für meine Partei, die christbaren Demokraten, also diesen bar jedes christlichen Grundkonsenses agierenden Kanzlerinnenwahlverein. Die CDU hätte sich von mir für die Nachfolge des allzu bezahlbaren Wulff schon wieder jeden Grasdackel als Präsidentschaftskandidaten aufschwätzen lassen, nur um dich, Jochen, ersparbar zu machen, der du von Freiheit nicht nur redest, sondern sie dir auch nimmst, möglicherweise als Freiheit, nicht jeden Scheiß zu unterschreiben, den wir Vertreter weiß Gott nicht aller Deutschen noch schnell in Gesetze gießen wollen, bevor die nächste Wahl unsere Überflüssbarkeit erweist. Die CDU hat sich von mir leider derart verzwergen lassen, dass sie sich inzwischen mühelos im Schatten der Freiheitspygmäen von der FDP verstecken kann. Mit dieser Partei im Rücken soll ich je in Schloss Bellevue vor dich hintreten und behaupten: Wir sind das Volk? Ungelingbar! Die CDU ist durch mich eine Janis-Joplin-Partei geworden, in der Freiheit nur ein anderes Wort ist für: nichts mehr zu verlieren haben. Eigentlich unentschuldbar, lieber Jochen, aber damit musst du jetzt noch eine Weile leben!

URIN STINKT

01.03.12, 13:20:54 von manufatum
+++ Heute entschuldigt sich: das Zweite Deutsche Fernsehen +++

Ich, das Zweite Deutsche Fernsehen, entschuldige mich bei allen über siebzigjährigen Zuschauern, die sich noch in der Lage fühlen, die Fernbedienung aus den Gichtgriffeln zu legen und mit dem Rollator ein ZDF-Studio heimzusuchen, um dort der Live-On-Tape-Aufzeichnung ihrer Lieblingsshow beizusitzen. Sollte diese Show zufällig "Leute, Leute!" heißen, gilt leider eine Altersobergrenze von 69 Jahren. Denn Reinigungskosten für inkontinenzbedingt verpisste Sitzplätze - die Aufzeichnung dauert bis zu drei Stunden - sind laut Produktionsleitung nicht kalkuliert, Pinkelpausen auch nicht. Wir, das ZDF, wurden also nicht von unseren demographischen Urinstinkten verlassen, sondern tragen nur dem Umstand Rechnung, dass Urin stinkt und damit die rustikalen Quotenzoten unserer Moderatorin Monika Gruber überlagern könnte. Außerdem besteht bei einem Satireprogramm erhöhte Verletzungsgefahr im Zuschauerraum durch - lachbedingt - dem Vordermann bzw. der Vorderfrau ins Genick geprustete Gebisse. Keineswegs setzt die Kölner Produktionsfirma von "Leute, Leute!" mit der Altersobergrenze vorauseilend eine Richtlinie des ZDF-Führungsnachwuchses Thomas Bellut um, sondern allenfalls einen hochbetagten Ukas des Uraltintendanten Dieter Stolte. Im dritten Lenz von Mitte Sechzig urplötzlich an Haut und Haaren runderneuert sowie von einer schneidigen Unternehmensberatung beflügelt, schleuderte jener Stolte den Ressortleitern sein visionäres Ceterum censeo in die versteinerten Mienen: "Ich kann diese alten Gesichter im Studio nicht mehr sehen!" ZDF-Angestellte versorgten fortan nicht mehr ihre noch lebenden Vorfahren mit Freikarten, sondern setzten sich selbst in die erste Reihe. Gottschalk in die ARD zu entsorgen, dauerte dann immerhin noch 15 Jahre. Das nun eingeführte Studioverbot für die Generation 70plus ist also kein Altersrassismus, sondern soll vor allem verhindern, dass eines nahen Tages Stolte und Thommy gemeinsam aus der Publikumstotale in die ZDF-Kamera winken, während die jungen Menschen um sie herum sich die Nase zuhalten.

BABYBOOMERANG

26.02.12, 14:28:18 von manufatum
+++ Heute entschuldigt sich: Joachim Gauck +++

Ich, Joachim Gauck, 72, designierter Bundespräsident und Nachfolger des grandios gescheiterten Babyboomers Christian Wulff, 52, möchte mich jetzt schon mal entschuldigen: Erstens beim Gröfaz (größten FAZ-Autor aller Zeiten) Frank Schirrmacher, 52, und zwar dafür, dass ich, Gauck, es mit meinem selbstironischen Opportunismus - "Ich bin ein linker, liberaler Konservativer" - bis ins höchste Staatsamt geschafft habe, während Sie, Schirrmacher, mit Ihren wohlfeilen Babyboomer-Parolen - Erbarmen, die Alten kommen, die Heuschrecken, die Staatstrojaner, die Rommel-Nichtversteher, die ZEIT-Abonnenten! - weiter Frondienst leisten müssen als journalistischer Türsteher der Apokalypse. Ich entschuldige mich beim rechtsironischen Dandyschriftsteller und Jüngerjünger Christian Kracht, 46, dafür, dass ich als Bundespräsident das Mutterkreuz leider nur für Leibesfrüchte vergeben kann und nicht für Geisteskinder. Aber vielleicht kriege ich Sie, Kracht, wenigstens als Ghostwriter für Pflichttermine, die ich aus linksliberalkonservativen Gründen lieber nicht persönlich zutexten mag, zum Beispiel Jahrestreffen der Heimatvertriebenen oder rechte Großgeburtstage wie den 70. vom abschwellenden Bocksänger Botho Strauß (bitte für 2014 vormerken!) und den 120. vom Stahlgewitter-Ernst (2015). Schlussendlich entschuldige ich mich bei den Altboomern Sigmar Gabriel, 52, und Jürgen Trittin, 58, von denen ich mich als Leih-Opa auf den Schild habe heben lassen, ohne Rot-Grün nach der Präsidentenwahl die geringste Hoffnung auf return on investment machen zu können. Eher mache ich Angela Merkel, 58, ein stramm-protestantisches Retortenbaby, als mit einem populistischen Riesenbaby und einem herzkranken Ex-Boomer den flotten Dreier zu wagen. Wer lang hat, lässt lang hängen, sagt Luther. Ich sage: Wer lange hängen gelassen wurde, darf, pardon, jetzt auch mal andere hängen lassen. Ich bin so frei und entschuldige mich dafür schon im voraus!

:: nächste Seite >>